Alljährliche Dreikönigsgeschichte

Januar 6th, 2019

Frau Melchior: Du willst einem Stern nachreisen? Einem Stern? Müsste der nicht schneller sein als du zu Fuß?
Herr Melchior: Wir haben Kamele.
Frau Melchior: Ach, und die sind schneller als Sterne?
Herr Melchior: Davon verstehst du nichts!
Frau Melchior: Immer, wenn dir keine vernünftige Antwort einfällt, verstehe ich von irgendetwas nichts. So geht das nicht! Sterne wandern in einer Nacht über den ganzen Himmel! Kann das dein Kamel auch?
Herr Melchior: Von Kamelen verstehst du auch nichts.
Frau Melchior: Was? Ich leite hier die Karawanserei – während du nur nachts in die Sterne guckst und tagsüber schläfst. Melchiors Karawanserei steht da dran! Und wer macht die ganze Arbeit? Ich!
Herr Melchior: Sternenkunde ist unerlässlich. Sicher passiert ja was Wichtiges! [verzieht sich]
Frau Kaspar [tritt ein]: Wer ist jetzt schon wieder auf diese blöde Idee gekommen?
Frau Melchior: Ich nicht. Da kannst du sicher sein.
Frau Kaspar: Er will einem Stern nach. Einem götterverdammten Stern!
Frau Melchior: Meiner auch.
Frau Kaspar: Dann kommt sicher gleich …
Frau Balthasar [tritt ein]: Ein wichtiges Kind wird geboren, sagt er. [deutet auf ihren runden Bauch]. Das ist nicht unbemerkt geblieben, sage ich. Und was sagt er? Er würde nicht von unserem Kind sprechen! Nicht von unserem! Kann irgendeines gerade wichtiger sein?
Frau Melchior: Setz dich erst mal
Frau Kaspar: So eine saublöde Idee!
Frau Melchior: Möchte jemand Kekse?
Frau Balthasar: Ja bitte. Und hast du saure Datteln?
Frau Kaspar: Huldigen will er. Weiß noch nicht, wem, wann oder wo, aber huldigen will er auf jeden Fall.
Frau Balthasar: Meiner auch. Ganz wild auf diese Huldigerei. Als könnte er hier nicht auch huldigen. Wir haben genug Götter. Und Sterne.
Frau Melchior: Und Ehefrauen.
Frau Kaspar: Geschenke will er mitnehmen! Als hätten wir was zu verschenken!
Frau Balthasar: Meiner auch. Ließ sich nicht davon abbringen. Du weißt doch gar nicht, für wen. Und was sagt er da? Ein Kindlein! Ich bitte dich! Ein Kindlein! Wir haben schon fünf, und bald kommt das sechste!
Frau Melchior: Meiner hat gesagt, ein König. Also unserer kann es nicht sein. Seit der letzten Steuerprüfung würde der Meinige keinesfalls noch irgendetwas freiwillig dem König schenken.
Frau Kaspar: Meiner hat gesagt, es ginge um den Prophezeiten. Lies nicht so viel Fantasy, habe ich ihm gesagt. In schlechter Fantasy gibt es immer einen Prophezeiten. Von wem prophezeit, habe ich ihn gefragt. Wusste er nicht. Und wofür, habe ich gefragt. Wusste er auch nicht.
Frau Balthasar: Gar nichts wissen die.
Frau Melchior: Nach Westen wollen sie. Dabei wäre der Weg nach Indien gewiss lukrativer. Sonst rühren sie sich nicht fort von ihrem Diwan, und jetzt wollen sie nach Westen. Da sind die Römer, habe ich gesagt. Die willst du doch nicht treffen! Niemand legt sich freiwillig mit den Römern an! Militärisch organisierte Heuschreckenplage.
Frau Kaspar: Meiner will sein Schwert mitnehmen.
Frau Balthasar: Kann er denn damit umgehen?
Frau Kaspar: Als er es von der Wand genommen hat, habe ich es erst mal abgestaubt. Und er hat sich in den Finger geschnitten. Und gejammert.
Frau Melchior: Gold, Weihrauch und Myrrhen wollte meiner mitnehmen! Für ein Kindlein?, habe ich ihn gefragt. Wäre da ein Satz guter Windeln, was zum Anziehen und was zum Essen nicht sinnvoller? Wir haben eingekochten Dattelbrei! Kinder mögen so was! Gold! Ich glaube, es hackt.
Frau Balthasar: Sie wollen es sich aufteilen. Einer bringt Gold, einer Myrrhe, einer Weihrauch.
Frau Melchior: Teurer geht’s wirklich nicht. Er könnte doch Übernachtungsgutscheine für unsere Karawanserei mitnehmen! Da hat der Prophezeite doch auch was davon, wenn er mal groß ist. Vielleicht reist er ja gerne.
Frau Balthasar: Männer! Diese Huldigerei lassen sie sich was kosten! Aber wenn ich mal einen neuen Kaftan will …
Frau Kaspar: Ich hatte einen grässlichen Traum.
Frau Melchior: Jetzt fang du nicht auch noch mit Prophezeiungen an!
Frau Balthasar: Was hast du denn geträumt?
Frau Kaspar: Ich habe geträumt, sie seien verschleppt worden und man hätte sie in einem goldenen Schrein gefangen, weit, weit im Nordwesten.
Frau Melchior: Bei den Barbaren?
Frau Balthasar: Oder bei den Römern?
Frau Kaspar: Weiß nicht. Könnte beides sein.
Frau Melchior: Du glaubst wirklich, unsere Ehemänner kriegen einen goldenen Schrein? Einen wertvollen?
Frau Kaspar: Jedenfalls werde ich ihnen dort ganz bestimmt nicht huldigen!
Frau Melchior: Ich sehe schon, wir werden wieder alles organisieren müssen, wenn sie sich schon nicht davon abbringen lassen. Also: wir packen ein paar vernünftige Kleinkindgeschenke ein. Und ich stelle ein paar der Männer als Schutztruppe zusammen. In unserer Karawanserei gibt es immer ein paar Haude…krummschwerter, die eine Anstellung suchen. Und dann schärfen wir ihnen ein, die Römer zu meiden. Und diesen Herodes. Von dem hört man auch nichts Gutes. Und nichts mitnehmen, das man ihnen allzu gerne stehlen will.
Frau Balthasar: Hört ihr das? Ich glaube, sie reiten gerade los.
Frau Melchior: Ach du je. Ohne Sinn und Verstand.
Frau Kaspar: Ohne Schutztruppe.
Frau Melchior: Ohne Karawane.
Frau Balthasar: Sollte mich wundern, wenn sie auch nur Wäsche zum Wechseln eingepackt hätten.
….
Frau Melchior: Ich mach dann mal Tee.
Frau Melchior + Frau Kaspar + Frau Balthasar: Männer!

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Dezember 23rd, 2018

„Was ist Weihnachten?“, fragte Sven.
„Da kommt der Weihnachtsmann!“, sagte der Vater, ohne von seinem Handy aufzublicken.
„Nein, das Christkind“, sagte Oma bestimmt.
„Wer denn nun?“, fragte Sven.
„Und wer ist dann dieser Santa?“, fragte Marie-Louise. Sie war nur wenig älter als Sven, meinte aber doch, ihr größeres Detailwissen darstellen zu müssen.
„Das heißt Satan!“, korrigierte Oma, deren Weltsicht entschlossen unamerikanisch war.
„Heißt es nicht!“
„Santa und Satan sind nicht das gleiche, trotz des Anagramms “, korrigierte Vater und begann, auf Wikipedia die jeweiligen Definitionen nachzusehen. „Ich zeig’s euch gleich.“ Seine dicken Finger schoben über das Smartphone, und seine Stirn runzelte sich, als müsste er ein Tau durch ein Nadelöhr führen.
„Und welche Rolle spielt dieser Nikolaus mit seinem Krampus?“, fragte Maximilian-Alexander, der sich als Teenager schon entschieden zu alt fühlte, als dass er noch an so was glauben wollte. „Was für ein seltsames Verhältnis haben die beiden eigentlich? Der eine trägt lange Kleider und komische Hüte, und der andere prügelt gerne Kinder.“
„Schäm dich!“, begehrte Tante Edeltraut auf. „So was sagt man nicht!“
„Aber komisch ist es schon!“, triumphierte Maximilian-Alexander. Wenn Tante Edeltraut meinte, er sollte sich schämen, war das ein untrügliches Zeichen, dass er irgendwie gewonnen hatte.
„Das ist katholisch!“, erklärte Tante Edeltraut. Onkel Eberhard verschluckte sich am Glühwein und hustete unchristlich. „Sei du bloß still!“, zischte die Tante. „Wenn es nach dir ginge, wären wir alle Heiden!“
„Welche Art von Heiden?“, fragte Anna-Kathrin. Sie studierte im ersten Semester Soziologie und Völkerkunde und hinterfragte gerne alles. „Europäische Heiden? Asatru? Wicca? Oder mehr etwas Außereuropäisches? Buddhismus ist zurzeit sehr gefragt.“
Der Vater hatte gerade Satan gefunden und begann nun, Asatru und Wicca zu googeln. „Ich hab’s gleich“, sagte er. Niemand glaubte ihm.
„Was ist denn nun Weihnachten?“, fragte Sven patzig.
„Wir erklären das doch gerade! Das ist nicht so einfach.“
„Und die Sheepboys und die jubelnden Jahresendflügler sollten wir auch nicht vergessen“, warf Maximilian-Alexander dazwischen, der ein untrügliches Gefühl dafür entwickelt hatte, wann ein Kommentar am wenigsten passte. Tatsächlich hatte er diese Art der Kommunikation zur Kunstform erhoben.
„In Nürnberg ist das Christkind weiblich“, dozierte Anna-Kathrin. „Eventuell lassen sich da vorchristliche Wurzeln erkennen – Muttergottheit und so. Überhaupt ist Weihnachten zu einem nicht unerheblichen Teil vorchristlich. Sonnwendriten und Immergrün. Das hat nicht wirklich etwas mit einer orientalisch-patriarchalischen Religion zu tun, die von den Römern annektiert und auf irgendeinem Konzil für das römische Denken passend geschliffen wurde und seitdem eine Art Markenschutz betreibt.“
„Markenschutz?“, fragte Onkel Eberhard.
„Wie der Coca-Cola Schriftzug. Nie was ändern, damit sich die Kunden mit der Marke identifizieren können. Und die verbrennen, die das Markenrecht verletzen.“
„Schreibt man Wicca mit ck oder mit zwei k?“, fragte der Vater.
„Weihnachten hat doch nichts mit Coca-Cola zu tun!“, schimpfte Oma.
„Santa Claus schon!“, erklärte Marie-Louise. „Der kommt immer mit dem Coca-Cola-Truck.“
„Ich dachte, mit dem Schlitten?“, fragte Onkel Eberhard unschuldig. „Mit Rennmäusen.“
„Rentieren, Onkel Eberhard, Rentieren.“
„Mit roten Nasen. Vielleicht ein politisches Statement?“ Onkel Eberhard klang manchmal so, als wäre er gerne Maximilian-Alexander. Tante Edeltraut sah dann meist so aus, als bekäme sie gerade Verstopfung.
„Santa kommt mit dem Schlitten und schlüpft durch den Kamin!“
„Schwierige Angelegenheit bei Zentralheizung“, murmelte Maximilian-Alexander. „Bei dem Durchmesser von Heizungsrohren müsste er dann die Form einer sehr, sehr langen Cabanossi haben. Mit roter Pelle und flauschigen Enden.“
„Ihr seid alle blöd!“, konstatierte Marie-Louise.
Und Oma nickte: „Richtig, mein Kind. Sehr blöd.“
„Und was ist jetzt Weihnachten?“, fragte Sven noch einmal, dem ein einfacher Satz lieber gewesen wäre als ein verbales Wimmelbild.
Die Tür ging.
„Das wird Karin sein. Sie musste heute länger arbeiten. Wenn man so einen sozialen Job hat …“
Svens Mutter kam ins Zimmer und schob zwei Fremde herein, die sich etwas nervös umsahen. Sie trugen volle Plastiktüten als Gepäck und hatten billige Nikolausmützen auf. Sie sahen nicht eben sauber aus.
„Das sind Martha und Werner. Die werden mit uns Weihnachten feiern.“
Es war ganz still.
„Sie haben sonst niemand, und draußen ist es kalt“, erklärte die Mutter und blickte in Gesichter, die den Zusammenhang gerade nicht verstanden.
„Aber Karin …“, würgte der Vater hervor, „bei aller Liebe … es ist doch Weih…“
„Eben“, sagte die Mutter.
Tante Edeltraut stand auf. „Eberhard, ich denke, wir sollten jetzt … es ist schon spät …“
„Prima“, meinte Maximilian-Alexander. „Dann brauche ich keine zusätzlichen Stühle zu holen. – Setzt euch doch! Nehmt euch einen Keks.“
„Wirklich Karin!“ Tante Edeltraut lächelte dünn. „Man kann es auch übertreiben. An Weihnachten! Das gehört doch der Familie!“
„Das gehört uns?“, fragte Sven. „Ganz allein uns? Dann hätte ich gerne das mit dem Truck.“
„Du hast das noch nicht richtig verstanden, mein Junge!“, korrigierte Tante Edeltraut, die sich wieder hingesetzt hatte und noch einen Keks nahm, ehe diese etwa von anderen gegessen wurden.
„Du auch nicht, Tante Edeltraut, du auch nicht!“, grinste Maximilian-Alexander.
„Und jetzt singen wir alle was“, sagte Oma. Selten war die stille Zeit so still, wie nach einer solchen Aufforderung.

Doch es wurde ein schönes Weihnachtsfest – selbst ohne Coca-Cola-Truck.

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Neue Geschichten

September 6th, 2016

Was gibt es Neues? Nun ich habe einige Lesungen hinter mir, eine wirklich tolle Zeit auf der Feen Con in Bad Godesberg verlebt. Ich war auch auf dem FEST der Fantasie. Auch da habe ich gelesen. Das FEST ist immer eine wunderbare Angelegenheit. Leider war es dieses Jahr ein bisschen verregnet.

Immerhin ein Buch ist inzwischen neu erschienen, nämlich die Kurzgeschichten-Anthologie „Funtastik“, zu der ich eine Geschichte beigetragen habe. funtastik-cover Ziel der Anthologie war, Fantasy mal von der komischen Seite zu beleuchten. Die Geschichten sind vielfältig und unterschiedlich. Wir haben ja auch alle einen unterschiedlichen Humor.

Eine weitere Geschichte wird auch bald erscheinen. Hier darf ich leider noch nicht mehr verraten.
Mein Roman „Seelenspalter“ wird Anfang nächsten Jahres bei Droemer Knaur  rauskommen. Er hat ein wirklich schönes Cover, das ich euch hier nicht vorenthalten will. Es ist außerdem das erste Buch in meiner neuen Reihe „Klingenwelt“. Und worum geht es?

seelenspalter-cover

Seelenspalter kann man hier vorbestellen.

Maleni ist harmlos. Taryah ist tödlich. Gemeinsam sind sie eine einzige Person, geschult, geformt und seelengespalten vom Assassinenorden der Xyi. Dieser lenkt heimlich und unsichtbar die Geschicke der von Kriegen zerrissenen Acht Reiche Predorenns. Eine Buhlerin und Meuchlerin ohne Gewissen ist Taryah. Eine nette, junge Frau ist Maleni, die auf der Flucht von ihrem letzten Auftrag die Wander-Schmiede Umbert und Elgor trifft. Deren Wissen ist alt und magisch. Sie haben ihre eigenen Pläne mit Maleni, die das jedoch nicht ahnt. Maleni muss gegen blutrünstige Verfolger kämpfen, gegen die besten Mörder der Acht Reiche und gegen ihre eigene innere Meuchlerin. Sie kann niemandem vertrauen, nicht einmal sich selbst – und schon gar nicht dem geheimnisvollen Kämpfer, der bisweilen auftaucht, um wieder im Nichts zu verschwinden.

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Bin wieder da

Juli 6th, 2016

Da muss ich mich jetzt wirklich schämen. Ganz lange habe ich nicht mehr gebloggt. Früher war ich da pünktlicher. Aber ich stelle fest, dass die Tage immer kürzer werden. Hatten sie früher mal 24 Stunden, so scheinen sie jetzt nur noch bestenfalls 17 zu haben. Ich komme nicht mehr so recht hinterher. Und irgendwann finde ich jemandem, dem ich dafür die Schuld zuschieben kann.

Dabei habe ich so viel zu berichten.
Zum letzten Halloween erschien pünktlich „Bisse“ als E-Book bei hockebooks.de. Das hat mich sehr gefreut, denn diese Kurzgeschichten haben einmal den Anfang meines schriftstellerischen Tuns bedeutet. Es sind böse, kleine Geschichten, und eine Portion schwarzer Humor hilft beim Lesen. Oder man lässt sich einfach nur anständig gruseln. Auch das  geht prima.

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Und letzte Woche erschien beim gleichen E-Book Verlag „Die Quellen der Malicorn“, das vor drei Jahren als Papierversion mal bei Heyne verlegt worden war. Von dieser Papierversion gibt es nur noch Restbestände bei Online-Händlern. Dafür gibt es jetzt die E-Book Version, die noch einmal kräftig redigiert und mit einem weitaus schöneren Cover versehen wurde.

Jetzt setzt natürlich die Arbeit ein: Literatur-Blogger anschreiben, ob sie vielleicht einen Gastbeitrag von mir haben möchten. Oder das Buch rezensieren möchten. Natürlich wird da auch der Verlag tätig werden, aber man selbst ist da immer auch gefragt. Der zunehmende Aufwand für Marketing, den Autoren selbst übernehmen, stiehlt einem Schreibzeit. Deshalb bin ich auch nicht so recht zum Bloggen gekommen.

Das wird sich jetzt ändern. Denn alles wird besser. Oder so.

 

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Juli 4th, 2015

Heute wäre FeenCon . Und zeitgleich auch noch WetzCon. FeenCon ist die alljährliche Rollenspiel-Convention mit Mittelaltermarkt im Park in Bad Godesberg, auf der ich die letzten Jahre immer Lesungen hatte. Es ist eine tolle Con. Wetzcon ist der offizielle Con des SFCD .

Ich werde auf beiden Cons nicht sein. Das tut mir zum einen sehr, sehr leid, denn ich bin ja jedes Jahr immer gerne auf die FeenCon gefahren. Und der WetzCon wäre sicher auch sehr toll. Ich mag ja Science Fiction genauso gern wie Fantasy und sehe tatsächlich das gesamte Phantastik-Genre eher als Einheit mit immer stärker werdenden Schnittmengen unter den Subgenres. Ich weiß aber, dass zumindest die älteren Herren des SFCD das bisweilen nicht so sehen. Warum ich das weiß? Nun, manche der Jungs sind da durchaus sehr … deutlich.

Jedenfalls werde ich dieses Jahr weder auf der einen, noch der anderen Con mein Gesicht herumtragen. Das Problem ist, ich kann einfach nicht überall hin. Marketingtechnisch wäre es natürlich sinnvoll. Aber dann brauche ich ja die Wochenenden auch zum Schreiben. Und im Grunde wollten wir zu diesem Zeitpunkt weit weg im Urlaub sein. Es ist jetzt ein bisschen anders gekommen. Doch wenn ich mir die Temperaturen so anschaue, bin ich ganz froh, dass ich heute nicht irgendwo hin muss.

Trotzdem werde ich meine „Con-Familie“ vermissen. Ich hoffe, die Con-Besucher denken ein bisschen an mich und leeren mindestens ein Kaltgetränk auf mein Wohl – es darf auch Wasser sein. Und ich hoffe außerdem, sie bedecken ihre Häupter mit weiten Hüten, damit sie der Sonnengott nicht ersticht!

Wäre ich auf der FeenCon, dann würde ich „Aschenputtel“ lesen aus „Wahre Märchen 2: Elf klassische Märchen in neuem Gewand“.

Hätte mich der WetzCon zu einer Lesung eingeladen, dann wäre es eine meiner Science Fiction Geschichten aus „Bisse – 17 ungewöhnliche Geschichten“.

Ein bisschen Sehnsucht plagt mich. Meine Freunde und Kollegen, meine Leser und Zuhörer. Alle sind weit weg.
Fühle mich zerrissen. Aber die Hitze klebt dann doch wieder alles zusammen.

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RPC – Role Play Convention

Juli 3rd, 2015

Natürlich sollte man Berichte zeitnah schreiben. Wenn man, wie ich, zwei Berufe und darüber hinaus noch ein paar zusätzliche Verpflichtungen hat, dann klappt das nicht immer. Ich könnte jetzt John Wayne zitieren mit „Never apologize, it’s a sign of weakness.“ Aber tatsächlich mochte ich John Wayne nie besonders, und den Spruch finde ich außerdem falsch. Sich nicht entschuldigen zu können für etwas, das man versemmelt hat, scheint mir weitaus mehr ein Zeichen von Schwäche zu sein, als wenn man es zugeben kann.

Also: Ich hätte längst über die RPC in Köln und das WGT in Leipzig schreiben sollen. Ich entschuldige mich für die Verspätung. Auf beiden war ich anwesend und habe fleißig gelesen und zwar aus “Schwingen aus Stein” und from “Wahre Märchen 2: Elf klassische Märchen in neuem Gewand” . Beide Veranstaltungen haben sehr viel Spaß gemacht.

Heute also erst mal ein kurzer Bericht über die RPC – Role Play Convention an. Sie ist eine gelungene Verbindung aus Messe mit Händlerständen, Hobby-Treff der Rollenspieler, Gewandungstreffen und Mittelaltermarkt. Und vermutlich noch einiges mehr. Es tat mir fast ein bisschen leid, dass ich so ganz „in Zivil“ dort aufgetaucht bin. Bei all den wunderbaren Kostümen fühlte man sich schon fast etwas phantasielos.

Tatsächlich ist die Veranstaltung aber auch ein bisschen so etwas wie ein Familientreffen. Man kann keine drei Meter laufen, ohne nette, alte Bekannte zu treffen. Und trotz der absolut grottigen Standplatzierungen ohne Standnummern konnte man nach längerem Suchen tatsächlich alles finden. Ich kenne die KölnMesse nur von meinem Brotjob her. Wenn es um Industriemessen geht, ist sie gemeinhin besser organisiert. Gott sei Dank sind RPC Besucher ja phantasiebegabt und Questen ins Unbekannte gewohnt.

Es gibt viel zu tun auf der RPC. Für mich waren natürlich die Lesungen das Wichtigste – zumal ich zwei davon hatte. Den ganzen Tag gab es ein Lese-Programm. Man hätte aber auch den ganzen Tag einer Band nach der anderen zuhören oder sich im Schwertkampf messen können. Mein Mann driftete zu den Figuren-Malern ab. Dort blieb er hängen, weswegen es von meiner Lesung denn auch keine Fotos gibt. Ihr müsst mir also glauben, dass es eine gute Lesung war. Auch nicht einfach, denn so eine Messehalle hat einen recht hübschen Lärmpegel. Erfreulicherweise war die Lesebühne mit Headsets ausgerüstet. Lärm hin, Lärm zurück.

Was aufgefallen ist, ist die große Zunahme von Steampunk – etwas, das mich besonders freut, denn dieser Szene fühle ich mich zugehörig. Wunderbare Kostüme! Ich hoffe sehr, dass es nächstes Jahr wieder eine Möglichkeit gibt, auf der RPC eine Lesung zu machen. Auch wenn das Buch, das nächstes Jahr von mir erscheinen wird, kein Steampunk ist, sondern eher in den klassischen Fantasy-Bereich gehört – wenngleich es auch keine Orks oder Zwerge oder Elfen oder Drachen geben wird, denn die werden an anderen Schauplätzen gebraucht.

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Podcast Interview

Juni 21st, 2015

Vor circa einer Woche war Andrea Diener da. Wenn man mein Alter erreicht hat, dann kann man manchmal diesen schrecklichen Satz sagen: „Die/den kannte ich schon, da ging sie/er noch in die Schule“. Bei Andrea ist das so. Ich lernte Andrea kurz vor ihrem Abitur kennen. Wir waren damals beide über unsere irische Lieblingskneipe in der irischen Kultur- und Musikszene unterwegs, wobei ich musizierte und sie tanzte.

Das ist lange her. Inzwischen ist sie Journalistin bei der FAZ, schreibt tolle Reiseberichte und unterhält einen regelmäßigen Podcast, in dem sie die unterschiedlichsten Leute interviewt. So auch mich.

Es war ein netter Abend, den wir auf meinem Sofa verbrachten, beschäftigt mit Fragen und Antworten, wobei ihre Fragen souverän waren, während ich meine Antworten über eine gewisse Grundnervosität schob. Die meisten Interviews, die ich bislang gegeben habe, waren Online-Interviews. Da schicken einem die Interviewer eine Liste Fragen, und man schickt eine Liste Antworten zurück. Der Charme dabei ist: Man hat dazwischen viel Zeit, darüber nachzudenken, was man denn auf welche möglichst kluge Weise sagen will.

Wenn einem einer ein Mikrophon in die Hand gibt, ist das ganz anders. Wie ein Symbol allzu plötzlicher Realität hält man sich an dem Ding fest und hofft, dass man jetzt bitte keinen Unsinn redet. Und nicht allzu oft „ähhh“ sagt. Und ein bisschen später fragt man sich, ob man sich verständlich ausgedrückt hat und ob das breite Grinsen mit zu hören war oder jetzt alle Leute meinen, man hätte behauptet, historische Phantastik erfunden zu haben. (Anmerkung: Habe ich nicht. Gab’s schon vor mir.)

Nach dem Interview haben wir den Abend mit einem Ratsch und einem meiner Lieblingswhiskys abgerundet: Talisker – der sogar mal in einer meiner ersten Kurzgeschichten vor vielen, vielen Jahren eine Rolle spielte.

Und jetzt kann man sich den Podcast anhören, und zwar hier.

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Nominiert!

Juni 19th, 2015

Die Endnominierungsrunde beim Deutschen Phantastik Preis hat begonnen. Indirekt bin ich mit dabei: In „Exotische Welten“ (Susanne & Sean O’Connell [Hg] – O’Connell Press) habe ich eine etwas steampunkige Geschichte geschrieben.

„Im Bilde“ (Mr Jenkins erbt ein Haus in London mit einem Wandgemälde im Studierzimmer, hinter dessen Leinwand sich ein Zugang zu einem sagenhaften Reich befindet. Wider alle Vernunft wird John von einer starken Sehnsucht gepackt und öffnet das Bild…). Die Geschichte lehnt sich an das Coleridge Gedicht „Kubla Khan“ an.

„In Xanadu did Kubla Khan
A stately pleasure-dome decree:
Where Alph, the sacred river, ran
Through caverns measureless to man
Down to a sunless sea …“

Falls Euch „Exotische Welten“ gefallen hat, könnt Ihr Eure Stimme abgeben: Die Hauptrunde für den Deutschen Phantastik Preis läuft vom 20. Juni bis zum 19. Juli.

Falls Ihr die Anthologie noch nicht kennt, dann könnt Ihr hier mehr darüber erfahren.

Wir freuen uns, wenn unsere Geschichten Euch gefallen haben. Und wir freuen uns natürlich auch alle, wenn Ihr dieses „Gefallen“ dadurch ausdrückt, dass Ihr Eure Stimme für die Anthologie abgebt.

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Liebe und so

April 22nd, 2015

So. Weiter kann ich es nicht mehr hinausschieben in dem derzeitigen Buchprojekt. Die Liebesszene ist dran. Irgendwie geht’s ja nicht ohne. Liebe ist schließlich immer in Teil der Handlung, zumindest in meinen Büchern.

Schreibe ich gerne Liebesszenen? Eigentlich nicht. Das liegt nicht an moralinsauren Skrupeln, sondern eher an dem stetigen Bedenken, man würde den schmalen Pfad von gutem Geschmack zugunsten von zu krasser Detailliertheit auf der einen oder zu blumigen Verschwurbelungen auf der anderen Seite verlassen.
Ich glaube immer noch, das Bettgeflüster zwischen Cérise und Arpad in „Das Obsidianherz“ war mit die gelungenste Szene in meinem Werk. Sie war unendlich lang in der ersten Fassung und wurde spannender mit jedem Satz, den ich wegkürzte. Zum Schluss blieben gerade mal 25% übrig. (Irgendwo habe ich noch die Langfassung, aber die wird nie jemand zu sehen bekommen.)

Jetzt also geht es zur Sache. Und danach dann Piraten.

Übrigens, ich selbst finde viele Liebesszenen in Büchern oder Filmen recht unerotisch. Ich glaube nicht, dass es an meiner Prüderie liegt, aber bisweilen möchte man da doch die Augen schließen und „Och nö, doch nicht soooo!“ rufen. Ist Euch schon mal aufgefallen, dass Kussgeräusche im Film immer mit dem exakt gleichen Schlabberschmatzen synchronisiert sind? Wahrscheinlich gibt es auf der ganzen Welt nur eine einzige Aufnahme davon, ein universales, DIN-CEN-ISO-zertifiziertes Schlabberschmatzen.

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Alltag einer Schriftstellerin

April 14th, 2015

Patrick Süßmeier hat auf seinem Blog verschiedene Autoren gefragt, wie so ihr normaler Tagesablauf eines/einer AutorIn aussieht. Eine ganze Reihe von uns haben schon geantwortet, so auch ich – und Anja Bagus, Sandra Baumgärtner, Nadine d’Arachart, & Sarah Wedler, Markus Heitz, Ann-Kathrin Karschnick, Piper Marou, Henning Mützlitz, Nicole Schuhmacher. Und die Liste wächst noch.
Wenn Ihr also wissen möchtet, wie spannend der Beruf des Autors ist: hier könnt Ihr es erfahren.

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