{"id":754,"date":"2019-08-08T16:14:07","date_gmt":"2019-08-08T14:14:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juhonisch.de\/?p=754"},"modified":"2019-08-10T15:42:29","modified_gmt":"2019-08-10T13:42:29","slug":"world-science-fiction-convention","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juhonisch.de\/?p=754","title":{"rendered":"World Science Fiction Convention"},"content":{"rendered":"<p>Die diesj\u00e4hrige World Science Fiction Convention wird in Dublin veranstaltet. Ich werde dort sein. Mein eigenes Programm beinhaltet im Moment ein Konzert mit meinen Liedern, einen Diskussionspanel \u00fcber &#8222;Humorous Fantasy&#8220; und einen \u00fcber &#8222;Satire and the Fantastic&#8220;. Letzteres Thema freut mich besonders, denn als ich mein Examen an der Uni gemacht hatte, stand zur Debatte, noch eine Promotion anzuh\u00e4ngen. Thema: Satire und Phantastik. Tolles Thema, das ich damals wohl haupts\u00e4chlich \u00fcber Flann O&#8217;Brien \/ Miles na Gopaleen angegangen w\u00e4re. Den kannte damals noch niemand, er war in den Ritzen der Literaturgeschichte verschwunden, doch dann wurde er \u00fcbersetzt, und heute ist er, wenn man \u00fcber irische Literatur spricht, nicht mehr wegzudenken.<br \/>\nLanger Rede kurzer Sinn. Ich habe keinen Doktor gemacht. W\u00fcrde ich in \u00d6sterreich leben, so d\u00fcrfte man mich mit Frau Magister anreden, aber so \u2026 ich hab&#8217;s halt nicht &#8222;gepackt&#8220;. Ich musste Vollzeit arbeiten und habe es schlichtweg nicht auf die Reihe gekriegt, abends dann noch f\u00fcr die Dissertation zu schuften.<\/p>\n<p>Es gibt ja Leute, die das k\u00f6nnen. Und es gibt Leute, die k\u00f6nnen ganz furchtbar gut abschreiben. Zu beiden habe ich nicht geh\u00f6rt. Bei letzterem kann ich mir zwar moralisch auf die Schulter klopfen, aber es h\u00e4tte tats\u00e4chlich zu dem Thema damals kaum was gegeben, was ich h\u00e4tte abschreiben k\u00f6nnen. Die phantastische Literatur war einfach kein Thema, mit dem sich die Uni zu der Zeit befasste. Wer SFF mochte, wie ich, tat gut daran, sich im Verborgenen an ihr zu erfreuen, um nicht den Nimbus eines Schundliebhabers zuerkannt zu bekommen.<\/p>\n<p>Schund. Das Wort \u00e4rgert mich immer wieder. Gibt es Schund? Klar. Gibt es. Ist nicht wegzudiskutieren. Aber was Schund ist und was nicht, kann nur sehr ungenau definiert werden, mag f\u00fcr jeden etwas anderes sein und macht sich gewiss nicht an einer Literaturgattung fest. Ein Triggerthema f\u00fcr mich. Da k\u00f6nnte ich wie das Teufelchen aus der Kiste fahren und den Leuten erkl\u00e4ren, dass<\/p>\n<p>a) es in jedem literarischen Genre gute B\u00fccher und schlechte B\u00fccher gibt<br \/>\nb) niemand pl\u00f6tzlich zum Literaturwissenschaftler avanciert, wenn er\/sie ein ganzes Genre als Schund bezeichnet<br \/>\nc) die Aburteilung von literarischen Texten, die man gar nicht \u2013 ja nie \u2013 gelesen hat, nicht weniger primitiv ist, wie die Aussage &#8222;Moderne Kunst ist nur Klekserei. Kann jeder Dreij\u00e4hrige&#8220; \u2013 wiederum ohne die Kunst zu kennen.<br \/>\nd) Aussagen wie &#8222;B\u00fcchern mit Geistern, Zwergen und Teufeln kann ich einfach nichts abgewinnen&#8220; fast unsere ganzen Klassiker miteinschlie\u00dfen. Faust \u2013 hallo \u2013 was war noch des Pudels Kern?<\/p>\n<p>Jetzt habe ich mich ablenken lassen. Von Satire und Phantastik.<br \/>\nZur\u00fcck zu Dublin. Was werde ich sonst noch machen?<br \/>\nIch will in Bewley&#8217;s Kaffee trinken.<br \/>\nIch will bei Jameson eine Distillery Tour machen und Whiskey trinken.<br \/>\nIch will mich mit ganz vielen Autoren und Autorinnen treffen.<br \/>\nIch will sch\u00f6ne irische Musik h\u00f6ren.<br \/>\nIch will B\u00fccher \u2026 nein. ich will keine B\u00fccher kaufen. KEINE B\u00fccher. H\u00f6rst du? Keine B\u00fccher.<br \/>\nVielleicht einen Hut? \u2013 Nein. Auch keinen Hut.<br \/>\nEventuell mache ich eine Bootstour den Liffey rauf.<br \/>\nOder ich finde die Stra\u00dfe in Dublin, von der ich manchmal Albtr\u00e4ume habe, ohne sie wiederzuerkennen. Suchen werde ich nicht danach.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die diesj\u00e4hrige World Science Fiction Convention wird in Dublin veranstaltet. Ich werde dort sein. Mein eigenes Programm beinhaltet im Moment ein Konzert mit meinen Liedern, einen Diskussionspanel \u00fcber &#8222;Humorous Fantasy&#8220; und einen \u00fcber &#8222;Satire and the Fantastic&#8220;. Letzteres Thema freut mich besonders, denn als ich mein Examen an der Uni gemacht hatte, stand zur Debatte, noch eine Promotion anzuh\u00e4ngen. Thema: Satire und Phantastik. Tolles Thema, das ich damals wohl haupts\u00e4chlich \u00fcber Flann O&#8217;Brien \/ Miles na Gopaleen angegangen w\u00e4re. Den kannte damals noch niemand, er war in den Ritzen der Literaturgeschichte verschwunden, doch dann wurde er \u00fcbersetzt, und heute ist er, wenn man \u00fcber irische Literatur spricht, nicht mehr wegzudenken. Langer Rede kurzer Sinn. Ich habe keinen Doktor gemacht. W\u00fcrde ich in \u00d6sterreich leben, so d\u00fcrfte man mich mit Frau Magister anreden, aber so \u2026 ich hab&#8217;s halt nicht &#8222;gepackt&#8220;. 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Ein Triggerthema f\u00fcr mich. Da k\u00f6nnte ich wie das Teufelchen aus der Kiste fahren und den Leuten erkl\u00e4ren, dass a) es in jedem literarischen Genre gute B\u00fccher und schlechte B\u00fccher gibt b) niemand pl\u00f6tzlich zum Literaturwissenschaftler avanciert, wenn er\/sie ein ganzes Genre als Schund bezeichnet c) die Aburteilung von literarischen Texten, die man gar nicht \u2013 ja nie \u2013 gelesen hat, nicht weniger primitiv ist, wie die Aussage &#8222;Moderne Kunst ist nur Klekserei. Kann jeder Dreij\u00e4hrige&#8220; \u2013 wiederum ohne die Kunst zu kennen. d) Aussagen wie &#8222;B\u00fcchern mit Geistern, Zwergen und Teufeln kann ich einfach nichts abgewinnen&#8220; fast unsere ganzen Klassiker miteinschlie\u00dfen. Faust \u2013 hallo \u2013 was war noch des Pudels Kern? Jetzt habe ich mich ablenken lassen. Von Satire und Phantastik. Zur\u00fcck zu Dublin. Was werde ich sonst noch machen? Ich will in Bewley&#8217;s Kaffee trinken. 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