{"id":667,"date":"2019-01-06T18:36:53","date_gmt":"2019-01-06T17:36:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juhonisch.de\/?p=667"},"modified":"2019-01-06T23:20:08","modified_gmt":"2019-01-06T22:20:08","slug":"alljaehrliche-dreikoenigsgeschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juhonisch.de\/?p=667","title":{"rendered":"Allj\u00e4hrliche Dreik\u00f6nigsgeschichte"},"content":{"rendered":"<p>Frau Melchior: Du willst einem Stern nachreisen? Einem Stern? M\u00fcsste der nicht schneller sein als du zu Fu\u00df?<br \/>\nHerr Melchior: Wir haben Kamele.<br \/>\nFrau Melchior: Ach, und die sind schneller als Sterne?<br \/>\nHerr Melchior: Davon verstehst du nichts!<br \/>\nFrau Melchior: Immer, wenn dir keine vern\u00fcnftige Antwort einf\u00e4llt, verstehe ich von irgendetwas nichts. So geht das nicht! Sterne wandern in einer Nacht \u00fcber den ganzen Himmel! Kann das dein Kamel auch?<br \/>\nHerr Melchior: Von Kamelen verstehst du auch nichts.<br \/>\nFrau Melchior: Was? Ich leite hier die Karawanserei \u2013 w\u00e4hrend du nur nachts in die Sterne guckst und tags\u00fcber schl\u00e4fst. Melchiors Karawanserei steht da dran! Und wer macht die ganze Arbeit? Ich!<br \/>\nHerr Melchior: Sternenkunde ist unerl\u00e4sslich. Sicher passiert ja was Wichtiges! <em>[verzieht sich]<\/em><br \/>\nFrau Kaspar <em>[tritt ein]<\/em>: Wer ist jetzt schon wieder auf diese bl\u00f6de Idee gekommen?<br \/>\nFrau Melchior: Ich nicht. Da kannst du sicher sein.<br \/>\nFrau Kaspar: Er will einem Stern nach. Einem g\u00f6tterverdammten Stern!<br \/>\nFrau Melchior: Meiner auch.<br \/>\nFrau Kaspar: Dann kommt sicher gleich \u2026<br \/>\nFrau Balthasar <em>[tritt ein]<\/em>: Ein wichtiges Kind wird geboren, sagt er. [deutet auf ihren runden Bauch]. Das ist nicht unbemerkt geblieben, sage ich. Und was sagt er? Er w\u00fcrde nicht von unserem Kind sprechen! Nicht von unserem! Kann irgendeines gerade wichtiger sein?<br \/>\nFrau Melchior: Setz dich erst mal<br \/>\nFrau Kaspar: So eine saubl\u00f6de Idee!<br \/>\nFrau Melchior: M\u00f6chte jemand Kekse?<br \/>\nFrau Balthasar: Ja bitte. Und hast du saure Datteln?<br \/>\nFrau Kaspar: Huldigen will er. Wei\u00df noch nicht, wem, wann oder wo, aber huldigen will er auf jeden Fall.<br \/>\nFrau Balthasar: Meiner auch. Ganz wild auf diese Huldigerei. Als k\u00f6nnte er hier nicht auch huldigen. Wir haben genug G\u00f6tter. Und Sterne.<br \/>\nFrau Melchior: Und Ehefrauen.<br \/>\nFrau Kaspar: Geschenke will er mitnehmen! Als h\u00e4tten wir was zu verschenken!<br \/>\nFrau Balthasar: Meiner auch. Lie\u00df sich nicht davon abbringen. Du wei\u00dft doch gar nicht, f\u00fcr wen. Und was sagt er da? Ein Kindlein! Ich bitte dich! Ein Kindlein! Wir haben schon f\u00fcnf, und bald kommt das sechste!<br \/>\nFrau Melchior: Meiner hat gesagt, ein K\u00f6nig. Also unserer kann es nicht sein. Seit der letzten Steuerpr\u00fcfung w\u00fcrde der Meinige keinesfalls noch irgendetwas freiwillig dem K\u00f6nig schenken.<br \/>\nFrau Kaspar: Meiner hat gesagt, es ginge um den Prophezeiten. Lies nicht so viel Fantasy, habe ich ihm gesagt. In schlechter Fantasy gibt es immer einen Prophezeiten. Von wem prophezeit, habe ich ihn gefragt. Wusste er nicht. Und wof\u00fcr, habe ich gefragt. Wusste er auch nicht.<br \/>\nFrau Balthasar: Gar nichts wissen die.<br \/>\nFrau Melchior: Nach Westen wollen sie. Dabei w\u00e4re der Weg nach Indien gewiss lukrativer. Sonst r\u00fchren sie sich nicht fort von ihrem Diwan, und jetzt wollen sie nach Westen. Da sind die R\u00f6mer, habe ich gesagt. Die willst du doch nicht treffen! Niemand legt sich freiwillig mit den R\u00f6mern an! Milit\u00e4risch organisierte Heuschreckenplage.<br \/>\nFrau Kaspar: Meiner will sein Schwert mitnehmen.<br \/>\nFrau Balthasar: Kann er denn damit umgehen?<br \/>\nFrau Kaspar: Als er es von der Wand genommen hat, habe ich es erst mal abgestaubt. Und er hat sich in den Finger geschnitten. Und gejammert.<br \/>\nFrau Melchior: Gold, Weihrauch und Myrrhen wollte meiner mitnehmen! F\u00fcr ein Kindlein?, habe ich ihn gefragt. W\u00e4re da ein Satz guter Windeln, was zum Anziehen und was zum Essen nicht sinnvoller? Wir haben eingekochten Dattelbrei! Kinder m\u00f6gen so was! Gold! Ich glaube, es hackt.<br \/>\nFrau Balthasar: Sie wollen es sich aufteilen. Einer bringt Gold, einer Myrrhe, einer Weihrauch.<br \/>\nFrau Melchior: Teurer geht\u2019s wirklich nicht. Er k\u00f6nnte doch \u00dcbernachtungsgutscheine f\u00fcr unsere Karawanserei mitnehmen! Da hat der Prophezeite doch auch was davon, wenn er mal gro\u00df ist. Vielleicht reist er ja gerne.<br \/>\nFrau Balthasar: M\u00e4nner! Diese Huldigerei lassen sie sich was kosten! Aber wenn ich mal einen neuen Kaftan will \u2026<br \/>\nFrau Kaspar: Ich hatte einen gr\u00e4sslichen Traum.<br \/>\nFrau Melchior: Jetzt fang du nicht auch noch mit Prophezeiungen an!<br \/>\nFrau Balthasar: Was hast du denn getr\u00e4umt?<br \/>\nFrau Kaspar: Ich habe getr\u00e4umt, sie seien verschleppt worden und man h\u00e4tte sie in einem goldenen Schrein gefangen, weit, weit im Nordwesten.<br \/>\nFrau Melchior: Bei den Barbaren?<br \/>\nFrau Balthasar: Oder bei den R\u00f6mern?<br \/>\nFrau Kaspar: Wei\u00df nicht. K\u00f6nnte beides sein.<br \/>\nFrau Melchior: Du glaubst wirklich, unsere Ehem\u00e4nner kriegen einen goldenen Schrein? Einen wertvollen?<br \/>\nFrau Kaspar: Jedenfalls werde ich ihnen dort ganz bestimmt nicht huldigen!<br \/>\nFrau Melchior: Ich sehe schon, wir werden wieder alles organisieren m\u00fcssen, wenn sie sich schon nicht davon abbringen lassen. Also: wir packen ein paar vern\u00fcnftige Kleinkindgeschenke ein. Und ich stelle ein paar der M\u00e4nner als Schutztruppe zusammen. In unserer Karawanserei gibt es immer ein paar Haude\u2026krummschwerter, die eine Anstellung suchen. Und dann sch\u00e4rfen wir ihnen ein, die R\u00f6mer zu meiden. Und diesen Herodes. Von dem h\u00f6rt man auch nichts Gutes. Und nichts mitnehmen, das man ihnen allzu gerne stehlen will.<br \/>\nFrau Balthasar: H\u00f6rt ihr das? Ich glaube, sie reiten gerade los.<br \/>\nFrau Melchior: Ach du je. Ohne Sinn und Verstand.<br \/>\nFrau Kaspar: Ohne Schutztruppe.<br \/>\nFrau Melchior: Ohne Karawane.<br \/>\nFrau Balthasar: Sollte mich wundern, wenn sie auch nur W\u00e4sche zum Wechseln eingepackt h\u00e4tten.<br \/>\n\u2026.<br \/>\nFrau Melchior: Ich mach dann mal Tee.<br \/>\nFrau Melchior + Frau Kaspar + Frau Balthasar: M\u00e4nner!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frau Melchior: Du willst einem Stern nachreisen? Einem Stern? M\u00fcsste der nicht schneller sein als du zu Fu\u00df? Herr Melchior: Wir haben Kamele. Frau Melchior: Ach, und die sind schneller als Sterne? Herr Melchior: Davon verstehst du nichts! Frau Melchior: Immer, wenn dir keine vern\u00fcnftige Antwort einf\u00e4llt, verstehe ich von irgendetwas nichts. So geht das nicht! Sterne wandern in einer Nacht \u00fcber den ganzen Himmel! Kann das dein Kamel auch? Herr Melchior: Von Kamelen verstehst du auch nichts. Frau Melchior: Was? Ich leite hier die Karawanserei \u2013 w\u00e4hrend du nur nachts in die Sterne guckst und tags\u00fcber schl\u00e4fst. Melchiors Karawanserei steht da dran! Und wer macht die ganze Arbeit? Ich! Herr Melchior: Sternenkunde ist unerl\u00e4sslich. Sicher passiert ja was Wichtiges! [verzieht sich] Frau Kaspar [tritt ein]: Wer ist jetzt schon wieder auf diese bl\u00f6de Idee gekommen? Frau Melchior: Ich nicht. Da kannst du sicher sein. Frau Kaspar: Er will einem Stern nach. Einem g\u00f6tterverdammten Stern! Frau Melchior: Meiner auch. Frau Kaspar: Dann kommt sicher gleich \u2026 Frau Balthasar [tritt ein]: Ein wichtiges Kind wird geboren, sagt er. [deutet auf ihren runden Bauch]. Das ist nicht unbemerkt geblieben, sage ich. Und was sagt er? Er w\u00fcrde nicht von unserem Kind sprechen! Nicht von unserem! Kann irgendeines gerade wichtiger sein? Frau Melchior: Setz dich erst mal Frau Kaspar: So eine saubl\u00f6de Idee! Frau Melchior: M\u00f6chte jemand Kekse? Frau Balthasar: Ja bitte. Und hast du saure Datteln? Frau Kaspar: Huldigen will er. Wei\u00df noch nicht, wem, wann oder wo, aber huldigen will er auf jeden Fall. Frau Balthasar: Meiner auch. Ganz wild auf diese Huldigerei. Als k\u00f6nnte er hier nicht auch huldigen. Wir haben genug G\u00f6tter. Und Sterne. Frau Melchior: Und Ehefrauen. Frau Kaspar: Geschenke will er mitnehmen! Als h\u00e4tten wir was zu verschenken! Frau Balthasar: Meiner auch. Lie\u00df sich nicht davon abbringen. Du wei\u00dft doch gar nicht, f\u00fcr wen. Und was sagt er da? Ein Kindlein! Ich bitte dich! Ein Kindlein! Wir haben schon f\u00fcnf, und bald kommt das sechste! Frau Melchior: Meiner hat gesagt, ein K\u00f6nig. Also unserer kann es nicht sein. Seit der letzten Steuerpr\u00fcfung w\u00fcrde der Meinige keinesfalls noch irgendetwas freiwillig dem K\u00f6nig schenken. Frau Kaspar: Meiner hat gesagt, es ginge um den Prophezeiten. Lies nicht so viel Fantasy, habe ich ihm gesagt. In schlechter Fantasy gibt es immer einen Prophezeiten. Von wem prophezeit, habe ich ihn gefragt. Wusste er nicht. Und wof\u00fcr, habe ich gefragt. Wusste er auch nicht. Frau Balthasar: Gar nichts wissen die. Frau Melchior: Nach Westen wollen sie. Dabei w\u00e4re der Weg nach Indien gewiss lukrativer. Sonst r\u00fchren sie sich nicht fort von ihrem Diwan, und jetzt wollen sie nach Westen. Da sind die R\u00f6mer, habe ich gesagt. Die willst du doch nicht treffen! Niemand legt sich freiwillig mit den R\u00f6mern an! Milit\u00e4risch organisierte Heuschreckenplage. Frau Kaspar: Meiner will sein Schwert mitnehmen. Frau Balthasar: Kann er denn damit umgehen? Frau Kaspar: Als er es von der Wand genommen hat, habe ich es erst mal abgestaubt. Und er hat sich in den Finger geschnitten. Und gejammert. Frau Melchior: Gold, Weihrauch und Myrrhen wollte meiner mitnehmen! F\u00fcr ein Kindlein?, habe ich ihn gefragt. W\u00e4re da ein Satz guter Windeln, was zum Anziehen und was zum Essen nicht sinnvoller? Wir haben eingekochten Dattelbrei! Kinder m\u00f6gen so was! Gold! Ich glaube, es hackt. Frau Balthasar: Sie wollen es sich aufteilen. Einer bringt Gold, einer Myrrhe, einer Weihrauch. Frau Melchior: Teurer geht\u2019s wirklich nicht. Er k\u00f6nnte doch \u00dcbernachtungsgutscheine f\u00fcr unsere Karawanserei mitnehmen! Da hat der Prophezeite doch auch was davon, wenn er mal gro\u00df ist. Vielleicht reist er ja gerne. Frau Balthasar: M\u00e4nner! Diese Huldigerei lassen sie sich was kosten! Aber wenn ich mal einen neuen Kaftan will \u2026 Frau Kaspar: Ich hatte einen gr\u00e4sslichen Traum. Frau Melchior: Jetzt fang du nicht auch noch mit Prophezeiungen an! Frau Balthasar: Was hast du denn getr\u00e4umt? Frau Kaspar: Ich habe getr\u00e4umt, sie seien verschleppt worden und man h\u00e4tte sie in einem goldenen Schrein gefangen, weit, weit im Nordwesten. Frau Melchior: Bei den Barbaren? Frau Balthasar: Oder bei den R\u00f6mern? Frau Kaspar: Wei\u00df nicht. K\u00f6nnte beides sein. Frau Melchior: Du glaubst wirklich, unsere Ehem\u00e4nner kriegen einen goldenen Schrein? Einen wertvollen? Frau Kaspar: Jedenfalls werde ich ihnen dort ganz bestimmt nicht huldigen! Frau Melchior: Ich sehe schon, wir werden wieder alles organisieren m\u00fcssen, wenn sie sich schon nicht davon abbringen lassen. Also: wir packen ein paar vern\u00fcnftige Kleinkindgeschenke ein. Und ich stelle ein paar der M\u00e4nner als Schutztruppe zusammen. In unserer Karawanserei gibt es immer ein paar Haude\u2026krummschwerter, die eine Anstellung suchen. Und dann sch\u00e4rfen wir ihnen ein, die R\u00f6mer zu meiden. Und diesen Herodes. Von dem h\u00f6rt man auch nichts Gutes. Und nichts mitnehmen, das man ihnen allzu gerne stehlen will. Frau Balthasar: H\u00f6rt ihr das? Ich glaube, sie reiten gerade los. Frau Melchior: Ach du je. Ohne Sinn und Verstand. Frau Kaspar: Ohne Schutztruppe. Frau Melchior: Ohne Karawane. Frau Balthasar: Sollte mich wundern, wenn sie auch nur W\u00e4sche zum Wechseln eingepackt h\u00e4tten. \u2026. Frau Melchior: Ich mach dann mal Tee. 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