{"id":184,"date":"2014-12-11T23:04:59","date_gmt":"2014-12-11T22:04:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juhonisch.de\/wordpress\/?p=184"},"modified":"2016-01-13T21:07:01","modified_gmt":"2016-01-13T20:07:01","slug":"ein-bisschen-meinung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juhonisch.de\/?p=184","title":{"rendered":"Ein bisschen Meinung &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Was ist eigentlich ein Troll? Nein, ich meine nicht die nackigen Riesen aus dem Hobbit. Ich meine die Leute, die aus Frust oder welchen Gr\u00fcnden auch immer online b\u00f6sartige und beleidigende Dinge mit wenig Ahnung, keinem Tiefgang und null Relevanz herumtrompeten. So was ist ein Troll.<\/p>\n<p>Es gibt im Online-Rezensionswesen Trolle. Das sind einige (Gottheit sei Dank) wenige Leute, die grunds\u00e4tzlich nur Verrisse schreiben, dabei nicht nur das Medium (Buch, Film etc.) schlecht besprechen, sondern auch massive und pers\u00f6nliche Angriffe auf die Autoren und Macher und alle jene starten, die dieses Medium m\u00f6gen.<\/p>\n<p>Ein Buch oder Film nicht zu m\u00f6gen, ist dabei v\u00f6llig in Ordnung. Wir m\u00fcssen nicht alle das gleiche m\u00f6gen. Wir m\u00fcssen auch nicht notwendigerweise alle Tolkien m\u00f6gen. Und man darf das auch sagen, dass man etwas schlecht fand, weil \u2026 &#8211; Auch das ist in Ordnung.<br \/>\nRundumschlag-Angriffe auf die Kreativen dahinter und jene, die mit dem kreativen Produkt etwas anfangen k\u00f6nnen, sind allerdings dann schon recht nahe an der Grenze zum Troll.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/kino\/hobbit-film-abrechnung-eines-tolkien-veraechters-a-1007754.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Herr Frank (Spiegel Online)<\/a> geht mit seiner Kritik zum letzten Hobbit-Film bis an diese Troll-Grenze. Er kritisiert nicht nur den Film \u2013 ich habe den Film nicht gesehen, also kann ich dazu nichts sagen, vielleicht ist er ja schlecht \u2013 sondern er kritisiert gleich noch alles mit, was er irgendwie in der N\u00e4he w\u00e4hnt, einschlie\u00dflich denen, die in dem Bereich schaffend t\u00e4tig sind, und jenen, die die Produkte dieses Schaffens m\u00f6gen. Einmal rundum Abwatschen an alle. Wir sind alle dumm. Nur er ist klug.<\/p>\n<p>Das ist generell auch das das Problem bei Trollen. Es geht nicht um die Aussage, nur um die Selbstdarstellung. Sollte man seine Medienmacht wirklich dazu benutzen, sich gro\u00dffl\u00e4chig das verstaubte 70er-Jahre Bildungsb\u00fcrger-Ego zu pudern, indem man ganze Bev\u00f6lkerungsteile beleidigt, um sich selbst ein bisschen als E-Kultur-King zu bekr\u00e4nzen?<\/p>\n<p>M\u00e4rchen und Sagen hat es immer gegeben. Sie geh\u00f6ren zum Menschsein. Archetypen sind in unserem Denken und F\u00fchlen verhaftet. Herr Frank kennt das Wort sicher.<\/p>\n<p>Ja, Phantastik ist Unterhaltung. An Unterhaltung ist erstmal nichts grunds\u00e4tzlich Verwerfliches. Die Menschheit hat immer schon gefeiert, Wettk\u00e4mpfe ausgetragen, Geschichten erz\u00e4hlt und Musik gemacht. Alles Unterhaltung. Nur im Puritanismus und vergleichbaren religi\u00f6s weltanschaulichen Systemen ist das \u201eS\u00fcnde\u201c. Damals S\u00fcnde \u2013 heute Eskapismus. Alles ist Eskapismus. Tats\u00e4chlich ist aber auch schon das Fahren eines SUV in einer Gro\u00dfstadt Eskapismus, denn man wird faktisch eher selten mit seinem Vier-Rad-Antrieb in der Vorstadt die Wildnis durchk\u00e4mmen.<\/p>\n<p>In den 70ern gab es eine Literaturtheorie von Christian Enzensberger (nicht Hans-Magnus, das war sein Bruder), die Theorie des Sinndefizits. Sehr einfach und verk\u00fcrzt erkl\u00e4rt war das der Ansatz, JEDE Literatur best\u00fcnde nur dazu, den defizit\u00e4ren Sinn der Welt durch Fiktion zu verbr\u00e4men. Damit w\u00e4re JEDE Literatur eskapistisch.<\/p>\n<p>Aber das Eskapismus-Argument ist bei Phantastik ja auch schon l\u00e4ngst abgehandelt und in der Versenkung verschwunden \u2013 sp\u00e4testens seit es eine eigene literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Werken und Inhalten der Phantastik gibt, bei der die WissenschaftlerInnen, die sich damit befassen, tats\u00e4chlich wissen m\u00fcssen, wor\u00fcber sie reden. Meine G\u00fcte, muss man wirklich so weit zur\u00fcckgehen, um ein bisschen Munition f\u00fcr seine bildungsspie\u00dferliche Borniertheit zu finden?<\/p>\n<p>Wir \u201eFantasy-Fans\u201c k\u00f6nnten nicht zwischen Realit\u00e4t und Irrealit\u00e4t unterscheiden, hei\u00dft es. Doch. K\u00f6nnen wir\u2013 weil wir BEIDES kennen. Es sind gemeinhin die phantasielosen \u201eRealisten\u201c, die sich in religi\u00f6s\/weltanschaulichen Extremgruppierungen wiederfinden, weil sie das Aberwitzige f\u00fcr bare M\u00fcnze nehmen und keine Erfahrung mit der Rezeption von Fiktion haben. Das Phantastische trainiert unseren Realit\u00e4tssinn.<\/p>\n<p>Und um auf die von Herrn Frank so gescholtenen LARPER einzugehen: Mir sind Menschen, die mal am Wochenende mit Plastikschwertern M\u00e4rchen spielen weitaus lieber als solche, die sich mit rechten Parolen und echten Baseballschl\u00e4gern die Realit\u00e4t zurechtpr\u00fcgeln wollen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist eigentlich ein Troll? Nein, ich meine nicht die nackigen Riesen aus dem Hobbit. Ich meine die Leute, die aus Frust oder welchen Gr\u00fcnden auch immer online b\u00f6sartige und beleidigende Dinge mit wenig Ahnung, keinem Tiefgang und null Relevanz herumtrompeten. So was ist ein Troll. Es gibt im Online-Rezensionswesen Trolle. Das sind einige (Gottheit sei Dank) wenige Leute, die grunds\u00e4tzlich nur Verrisse schreiben, dabei nicht nur das Medium (Buch, Film etc.) schlecht besprechen, sondern auch massive und pers\u00f6nliche Angriffe auf die Autoren und Macher und alle jene starten, die dieses Medium m\u00f6gen. Ein Buch oder Film nicht zu m\u00f6gen, ist dabei v\u00f6llig in Ordnung. Wir m\u00fcssen nicht alle das gleiche m\u00f6gen. Wir m\u00fcssen auch nicht notwendigerweise alle Tolkien m\u00f6gen. Und man darf das auch sagen, dass man etwas schlecht fand, weil \u2026 &#8211; Auch das ist in Ordnung. Rundumschlag-Angriffe auf die Kreativen dahinter und jene, die mit dem kreativen Produkt etwas anfangen k\u00f6nnen, sind allerdings dann schon recht nahe an der Grenze zum Troll. Herr Frank (Spiegel Online) geht mit seiner Kritik zum letzten Hobbit-Film bis an diese Troll-Grenze. Er kritisiert nicht nur den Film \u2013 ich habe den Film nicht gesehen, also kann ich dazu nichts sagen, vielleicht ist er ja schlecht \u2013 sondern er kritisiert gleich noch alles mit, was er irgendwie in der N\u00e4he w\u00e4hnt, einschlie\u00dflich denen, die in dem Bereich schaffend t\u00e4tig sind, und jenen, die die Produkte dieses Schaffens m\u00f6gen. Einmal rundum Abwatschen an alle. Wir sind alle dumm. Nur er ist klug. Das ist generell auch das das Problem bei Trollen. Es geht nicht um die Aussage, nur um die Selbstdarstellung. Sollte man seine Medienmacht wirklich dazu benutzen, sich gro\u00dffl\u00e4chig das verstaubte 70er-Jahre Bildungsb\u00fcrger-Ego zu pudern, indem man ganze Bev\u00f6lkerungsteile beleidigt, um sich selbst ein bisschen als E-Kultur-King zu bekr\u00e4nzen? M\u00e4rchen und Sagen hat es immer gegeben. Sie geh\u00f6ren zum Menschsein. Archetypen sind in unserem Denken und F\u00fchlen verhaftet. Herr Frank kennt das Wort sicher. Ja, Phantastik ist Unterhaltung. An Unterhaltung ist erstmal nichts grunds\u00e4tzlich Verwerfliches. Die Menschheit hat immer schon gefeiert, Wettk\u00e4mpfe ausgetragen, Geschichten erz\u00e4hlt und Musik gemacht. Alles Unterhaltung. Nur im Puritanismus und vergleichbaren religi\u00f6s weltanschaulichen Systemen ist das \u201eS\u00fcnde\u201c. Damals S\u00fcnde \u2013 heute Eskapismus. Alles ist Eskapismus. Tats\u00e4chlich ist aber auch schon das Fahren eines SUV in einer Gro\u00dfstadt Eskapismus, denn man wird faktisch eher selten mit seinem Vier-Rad-Antrieb in der Vorstadt die Wildnis durchk\u00e4mmen. In den 70ern gab es eine Literaturtheorie von Christian Enzensberger (nicht Hans-Magnus, das war sein Bruder), die Theorie des Sinndefizits. Sehr einfach und verk\u00fcrzt erkl\u00e4rt war das der Ansatz, JEDE Literatur best\u00fcnde nur dazu, den defizit\u00e4ren Sinn der Welt durch Fiktion zu verbr\u00e4men. Damit w\u00e4re JEDE Literatur eskapistisch. Aber das Eskapismus-Argument ist bei Phantastik ja auch schon l\u00e4ngst abgehandelt und in der Versenkung verschwunden \u2013 sp\u00e4testens seit es eine eigene literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Werken und Inhalten der Phantastik gibt, bei der die WissenschaftlerInnen, die sich damit befassen, tats\u00e4chlich wissen m\u00fcssen, wor\u00fcber sie reden. Meine G\u00fcte, muss man wirklich so weit zur\u00fcckgehen, um ein bisschen Munition f\u00fcr seine bildungsspie\u00dferliche Borniertheit zu finden? Wir \u201eFantasy-Fans\u201c k\u00f6nnten nicht zwischen Realit\u00e4t und Irrealit\u00e4t unterscheiden, hei\u00dft es. Doch. K\u00f6nnen wir\u2013 weil wir BEIDES kennen. Es sind gemeinhin die phantasielosen \u201eRealisten\u201c, die sich in religi\u00f6s\/weltanschaulichen Extremgruppierungen wiederfinden, weil sie das Aberwitzige f\u00fcr bare M\u00fcnze nehmen und keine Erfahrung mit der Rezeption von Fiktion haben. Das Phantastische trainiert unseren Realit\u00e4tssinn. 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